16. Juni 2026

„Die Kombination unserer Stärken eröffnet neue Möglichkeiten im Fensterbau“

bauelemente bau im Gespräch mit Michael Hettich, Vorstand und Inhaber der Hecht AG, sowie Holger Weiß, Vertriebsleiter der Hecht Wegoma GmbH

Hettich (l.) und Weiß im Gespräch über die gemeinsame Ausrichtung von Hecht Wegoma. Hettich: „Wir entwickeln keine Lösungen, die losgelöst vom Markt gedacht sind.“ Foto: Hecht Wegoma GmbH

Seit Mitte 2025 ist die organisatorische Integration von Wegoma und der Hecht AG in die Hecht Wegoma GmbH offiziell umgesetzt. Seitdem arbeiten beide Unternehmen am Standort Besigheim an integrierten Lösungen für die Fensterfertigung. Dabei ergänzen sich die Partner mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Wegoma mit langjähriger Erfahrung in der Kunststoffbearbeitung und im Sondermaschinenbau, die Hecht AG mit Kompetenzen in Steuerungstechnik, Softwareentwicklung und Automatisierung. Über die Hintergründe der Zusammenarbeit, aktuelle Marktanforderungen und die nächsten Entwicklungsschritte sprachen Michael Hettich, Vorstand und Inhaber der Hecht AG, sowie Holger Weiß, Vertriebsleiter der Hecht Wegoma GmbH und zuvor langjähriger Geschäftsführer von Wegoma.

Können Sie unseren Lesern die historische Entwicklung der Marke Wegoma im deutschen Fensterbau kurz einordnen?

Holger Weiß: Wegoma wurde 1970 gegründet und war insbesondere in den 1980er- und 1990er-Jahren international sehr stark aufgestellt. Mein Vater war damals früh in Märkten aktiv, die für viele Unternehmen noch keine große Rolle gespielt haben. Dazu gehörten unter anderem die USA und China. Anfang der 90er-Jahre wurden Tochtergesellschaften in den USA und China gegründet. 1993 wurde in Bretten eine größere Unternehmenszentrale mit modernen Büros und erweiterten Fertigungsmöglichkeiten aufgebaut. 1997 kam es zu einem Brand im Werk, in dessen Folge ein langwieriger Versicherungs- und Rechtsprozess entstand, der sich über mehrere Jahre zog. Die verzögerte Regulierung der Versicherung führte letztlich zur Insolvenz. Dennoch wurden Kunden weiterhin beliefert und Aktivitäten in reduzierter Form fortgeführt. Die Tochtergesellschaft in den USA wurde als Folge der Insolvenz samt der US-Vertriebsrechte an Carlson verkauft. Seit 2023 liegen die Vertriebsrechte wieder bei Wegoma in Deutschland. Carlson hat die Produktion in den USA vor Jahren beendet und auch die Vertriebsaktivitäten stark zurückgefahren. Das Werk in China besteht noch und ist weiterhin Lieferant für kleine Maschinen.

Welche Bedeutung hatte die Marke in der Vergangenheit für den deutschen Fensterbau?

Weiß: Die Marke Wegoma genießt nach wie vor großes Vertrauen – sowohl in Deutschland als auch international. Auf der Fensterbau Frontale 2026 in Nürnberg haben wir sehr deutlich gespürt, welche emotionale Bindung viele Kunden seit Jahrzehnten mit Wegoma verbinden. Im Rahmen unseres Gewinnspiels zur ältesten noch im Einsatz befindlichen Wegoma-Maschine berichteten zahlreiche Besucher von Anlagen, die seit Jahrzehnten zuverlässig in ihrer Fertigung laufen. Solche Gespräche zeigen uns, welches Vertrauen die Marke über Generationen hinweg aufgebaut hat. Im Laufe der Jahre hat sich Wegoma zunehmend vom klassischen Anbieter kompletter Fertigungsstraßen hin zum Problemlöser und Spezialisten für Sonderlösungen entwickelt. Gerade im Bereich Sondermaschinenbau, bei kundenspezifischen Lösungen und in Nischenbereichen war die Marke immer stark positioniert. Unser Anspruch war dabei nie ausschließlich, Maschinen zu verkaufen, sondern Kunden langfristig zu begleiten und individuelle Lösungen für ihre Fertigung zu entwickeln. Dieses Verständnis prägt Wegoma bis heute – und bildet zugleich die Grundlage für die gemeinsame Weiterentwicklung mit Hecht.

Michael Hettich: Die Marke stand schon immer für technische Lösungen im Kunststoffbereich und für zahlreiche Entwicklungen im Fensterbau. Beispiele dafür waren frühe Automatisierungslösungen, kombinierte Schweiß- und Putzanlagen oder der automatische Stahleinschub. Technologisch war Wegoma in vielen Bereichen seiner Zeit voraus und hat zahlreiche Entwicklungen im Kunststoff-Fensterbau mitgeprägt. Genau diese Erfahrung und dieses Know-how wollen wir heute mit moderner Steuerungstechnik, Softwareentwicklung und aktuellen Marktanforderungen verbinden.

Welche strategischen Überlegungen haben zur Integration von Wegoma in die Hecht-Struktur geführt?

Hettich: Die Hecht AG war bereits seit Jahren in Teilbereichen des Fensterbaus aktiv und hat verschiedene Lösungen innerhalb der Branche entwickelt. Allerdings waren wir bisher eher im Hintergrund tätig und haben keine kompletten Fertigungslösungen angeboten, sondern Einzelmaschinen wie ein Zuschnittzentrum für Armierungsstahl, Längenanschläge etc. Die Zusammenarbeit mit Wegoma war deshalb eine ideale Ergänzung. Während Wegoma die klassische Maschinenbaukompetenz einbringt, ergänzt die Hecht AG insbesondere die Bereiche Datenanbindung, Steuerungstechnik und digitale Prozessintegration. Durch die Verbindung dieser Kompetenzen sollen künftig stärker integrierte Fertigungslösungen entstehen. Der erste Kontakt entstand im März 2025. Wir hatten von Anfang an das Gefühl, dass sich hier nicht nur Kompetenzen ergänzen, sondern auch die Denkweise. Bereits zur Fensterbau Frontale 2026 konnten wir mit der neuen Glasleistensäge ein erstes gemeinsames Produkt präsentieren. Die Entwicklung startete im November 2025 und wurde innerhalb weniger Monate zur marktreifen Lösung gebracht. Es motiviert uns enorm, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die beim Kunden sofort echten Mehrwert schaffen. Genau diese Anpassungsfähigkeit ist heute entscheidend.

Weiß: Für uns war außerdem wichtig, dass Wegoma weiterhin familiengeführt bleibt. Wir wollten bewusst keinen externen Investor, sondern eine langfristige Lösung mit ausreichend Gestaltungsspielraum. Gleichzeitig war wichtig, dass die Marke und die bestehenden Produkte nicht im Markt untergehen.

Das vollständige und ausführliche Interview lesen Sie in der kommenden Ausgabe von bauelemente bau, welche am 25. Juni auf den Markt kommen wird.

Auf die Homepage von Wegoma gelangen Sie über diesen Link…

…und zum virtuellen Auftritt der Hecht AG geht es hier entlang.

 

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