28.03.2019

Offene Stellen und Auftragsablehnung erreichen Höchststand


Offene Stellen und Auftragsablehnung erreichen Höchststand
Die Zahl der Aufträge, die abgelehnt wurden, hat insbesondere in der Sanierung zugenommen. Die größere Grafik ist am Ende des Artikels abgebildet. Grafik: B+L Marktdaten.


Trotz der schwindenden Baugenehmigungszahlen im deutschen Wohnbau bewegt sich der Neubau in Deutschland nach wie vor auf einem hohen Niveau. Die Fertigstellungsraten entwickeln sich weiterhin positiv und immer noch stellt sich die Frage, wie viel die deutschen Verarbeiter überhaupt (noch) bauen können. Viele weitere Fragen, wie das Verhältnis zwischen Neubau und Sanierung oder die Produktabsätze in den einzelnen Segmenten, hängen von dieser Frage ab.

Um die Aspekte im Detail zu betrachten hat die B+L im Februar und März 2019 die 3. Welle ihres Kapazitäten-Panels durchgeführt, um die Auslastung der Verarbeiter zu quantifizieren. In der aktuellen Welle haben 71,1 Prozent der Verarbeiter angegeben, dass sie im Jahr 2018 Aufträge aufgrund fehlender Kapazitäten abgelehnt haben. Mit Ausnahme der Trockenbauer ist die Ablehnungsquote im Vergleich zum Jahr 2017 in allen Gewerken gestiegen. So haben beispielweise 80,0 Prozent der Dachdecker im Jahr 2018 Aufträge aufgrund einer zu hohen Auslastung abgelehnt. Gleiches gilt auch für die Zimmerer sowie Schreiner und Tischler.

Sanierung gewinnt wieder an Bedeutung

Im Jahr 2017 waren es überwiegend Bestandsmaßnahmen und Sanierungsprojekte, die von den Verarbeitern abgelehnt wurden. Ursächlich war eine Verschiebung der Kapazitäten in den Neubau. Die B+L hat diese Entwicklung ausführlich in ihrer Sanierungsstudie 2018 diskutiert. Die Studie ist mittlerweile für fünf europäische Länder verfügbar. Zwar wurden auch im vergangenen Jahr deutlich mehr Bestandsmaßnahmen und Sanierungsprojekte abgelehnt als Neubaumaßnahmen (hier wurde der grundsätzlich höhere Anteil der Sanierung an allen Aufträgen bereits berücksichtigt), jedoch ist der Anteil abgelehnter Bestandsmaßnahmen und Sanierungsprojekte rückläufig. Viele Verarbeiter geben an, wieder mehr Sanierungen im Projektvorlauf zu haben. Mittelfristig werden Bestandsmaßnahmen damit wieder an Bedeutung gewinnen.

Demografische Wandel erfordert Handeln

Angesichts dieser Ergebnisse stellt sich die Frage nach Kapazitätsausweitungen bei den Betrieben. Der Arbeitsmarktreport 2019 des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) beschreibt einen Mangel an qualifizierten Bewerbern im Bauhandwerk. Dies hat auch die aktuelle B+L Erhebung ergeben. Mehr als ein Drittel der Betriebe wollten die Kapazitäten im vergangenen Jahr ausweiten, haben jedoch keine qualifizierten Mitarbeiter am Arbeitsmarkt gefunden. Dieses Ergebnis ist wenig überraschend wie ein Blick auf die Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt.

Die offenen Stellen im Baugewerbe sind seit 2013 deutlich gestiegen. Im 4. Quartal 2018 lag die Anzahl der offenen Stellen im Baugewerbe bei 134.000, das ist ein Zuwachs von +37,4 Prozent zum Vorjahresquartal.

Der DIHK-Arbeitsmarktreport aus dem Jahr 2018 verweist in diesem Zusammenhang aber noch auf einen weiteren Aspekt. Der altersbedingte Austritt von Mitarbeitern wird noch häufiger als eine expansive Geschäftstätigkeit als Grund für die Mitarbeitersuche genannt. Unabhängig von der Bauaktivität wird daher der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge das Bauhandwerk zukünftig prägen, wenn eine große Gruppe an Fachkräften zeitgleich die Betriebe verlässt. Zwar hat das Handwerk wichtige Schritte ergriffen, um die Lehrlingszahlen zu steigern, doch ohne weitere Produktivitätssteigerungen wird es ab Mitte bzw. Ende der 2020er Jahre zu weiteren Engpässen kommen. Die Zuliefererindustrie muss auf diese Entwicklung reagieren. Produkte mit einem hohen Vorfertigungsgrad, Standardisierungen sowie serielles Bauen können zu den benötigten Produktivitätssteigerungen beitragen. Nur wenn entsprechende Lösungen gefunden und umgesetzt werden, lässt sich dem zukünftigen Fachkräftemangel erfolgreich begegnen.

Die Datenbasis

Für das B+L Kapazitäten-Panel werden pro Erhebungswelle zwischen 250 und 300 Verarbeiter befragt. Zu den Zielgruppen der Erhebung gehören Dachdecker, Zimmerer, Trockenbauer, Schreiner / Tischler, Estrichleger und SHK-Installateure. Für mehr Informationen zum Kapazitäten-Panel und den B+L Befragungen ist Marcel Dresse (md@bl2020.com) der Ansprechpartner.

Die Homepage von B+L Marktdaten gelangen Sie über diesen Link.

B+L Marktdaten - Auftragsablehnung 2018
Darstellung der Ergebnisse nach Gewerken. Grafik: B+L Marktdaten.


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