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Kleben, Dichten, Montieren im modernen Fensterbau

tzh

Die Entwicklung der Verbindungstechniken im Fensterbau hat in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Klassische mechanische Methoden wie Schweißen, Schrauben oder Nieten werden zunehmend durch Klebeverfahren ergänzt oder ersetzt. Branchen wie die Automobil- und Luftfahrtindustrie demonstrieren seit Jahren das Potenzial moderner Klebetechnologien; im Bau- und Fenstermarkt setzen sich diese Verfahren nun ebenfalls schrittweise durch. Besonders bei Anputz- und Verleistungsprofilen, selbstklebenden Folien, Bleiverglasungen, Fenstersprossen oder Türfüllungsapplikationen wird die Klebetechnik zunehmend genutzt.

Ein zusätzlicher Vorteil entsteht, wenn Profilhersteller Klebebänder bereits werkseitig aufbringen – wie etwa bei Gealan oder Profine. Dadurch lässt sich die Technologie ohne Investitionen in neue Maschinen unmittelbar in den Produktionsprozess der Verarbeiter integrieren.


Der Charme der Lösung: wenn die Klebebänder gleich vom Systemgeber aufgebracht werden, wie dies zum Beispiel Gealan und Profine praktizieren, dann kann der Verarbeiter die Technik nutzen, ohne dass er dafür investieren müsste.

Klebebänder als Alternative zur Scheibenverklebung

Während die Scheibenverklebung vor einigen Jahren noch stark im Fokus stand, wird die Weiterentwicklung inzwischen deutlich ruhiger, aber kontinuierlich vorangetrieben. Neben pastösen Systemen – insbesondere von Kömmerling Chemie, Otto Chemie oder Sika – setzen Hersteller zunehmend auch Klebebänder ein. Anbieter wie 3M, Lohmann oder Tesa erweitern das verfügbare Spektrum an Klebelösungen.

Die Motivation hinter dem verstärkten Einsatz liegt in der Verbesserung der Statik, insbesondere bei großen Elementen oder Sonderformaten. Zusätzlich wird die Scheibenverklebung genutzt, um den Wärmeschutz weiter zu optimieren. Noch wenig ausgeschöpft bleibt das Potenzial der Klebetechnik für neue Designvarianten mit deutlich schlankeren Profilansichten.


Anforderungen an das Abdichten: Innen dichter als außen

Mit zunehmender Gebäudeabdichtung steigen die Anforderungen an Fensteranschlussfugen. Die Montage gewinnt an Komplexität, da nach dem Prinzip „innen dichter als außen“ ein Drei-Ebenen-System sicherzustellen ist. Es umfasst eine luftdichte Innenseite, eine schlagregensichere Außenseite sowie eine wärmedämmende mittlere Ebene.

Für diese Anforderungen stehen Schäume, Abdichtfolien, vorkomprimierte Dichtbänder sowie Dichtleisten mit verputzfähigen Anschlüssen zur Verfügung. Besonders praxisgerecht sind Folien mit variablem Sd-Wert, die sowohl innen als auch außen eingesetzt werden können. Multifunktionsfugendichtbänder – unter anderem von Hanno, Illbruck oder Isochemie – kombinieren alle drei Abdichtungsfunktionen in einem Produkt.

Neben der Abdichtung spielt auch die richtige Befestigung eine wesentliche Rolle. Dübel, Schrauben und Anker müssen auf Rahmenwerkstoff, Wandaufbau, Einbauebene und die zu erwartenden Lasten abgestimmt werden. Nur so lässt sich die langfristige Gebrauchstauglichkeit gewährleisten.


Montage in der Dämmebene

Für einen optimalen Isothermenverlauf bietet sich die Montage in der Dämmebene an. Da die zunehmenden Elementgewichte konventionelle Trag- und Distanzklötze überfordern, werden dafür üblicherweise Konsolenlösungen verwendet. Diese stellen jedoch potenzielle Wärmebrücken dar. Eine Alternative sind wärmedämmende Montagezargen aus tragfähigen Werkstoffen, wie sie unter anderem von Foppe oder Illbruck angeboten werden. Sie erleichtern zusätzlich die Putzanbindung durch definierte Anschlusskanten.


Der RAL-Montageleitfaden als technische Grundlage

Die steigenden Anforderungen an luftdichte und dauerhaft funktionssichere Baukörperanschlüsse haben zur Entwicklung des RAL-Montageleitfadens geführt. Die RAL-Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren e.V. (GGF) veröffentlichte bereits 1994 eine erste Fassung. Der Leitfaden beschreibt die technischen Grundlagen für die fachgerechte Montage von Fenstern und Haustüren und gilt als maßgebliche Zusammenfassung der anerkannten Regeln der Technik.

Die fortlaufenden Aktualisierungen berücksichtigen technische Entwicklungen und neue normative Vorgaben. Der Leitfaden entstand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Fenstertechnik (ift Rosenheim), dem Bundesinnungsverband des Glaserhandwerks (BIV) und dem Bundesverband Holz und Kunststoff (BHKH).

Betriebe, die das RAL-Gütezeichen tragen, setzen geschultes Montagepersonal ein, dokumentieren die Ausführung und lassen sich regelmäßig durch neutrale Stellen überwachen.


Technische Weiterentwicklungen im Fokus

Die Branche entwickelt ihre Montagetechniken kontinuierlich weiter. Dies betrifft Klebetechnologien ebenso wie Abdichtsysteme, Befestigungsmittel und montagefreundliche Systemlösungen. Die zunehmende Gebäudeabdichtung, größere Fensterformate und steigende Anforderungen an Energieeffizienz und Schallschutz führen dazu, dass der Themenbereich Kleben, Dichten und Montieren für alle Gewerke im Fenster- und Fassadenbau immer größere Bedeutung gewinnt. Fachbetriebe, Planer und Architekten profitieren dabei von ständig neuen Lösungen, die eine langlebige, sichere und bauphysikalisch korrekte Montage unterstützen.