22. Februar 2024

Erste revitalisierte Fassade bei Lenderoth vorgestellt

Von der linearen Produktion zum zirkulären Bauen

Das Unternehmensgebäude des Bremer Metallbauunternehmens Lenderoth mit seiner revitalisierten Fassade. Foto: Wicona / Mediashots

Unter dem Motto „Fassadenbau der Zukunft“ fand am 15. Februar 2024 beim Bremer Metallbauunternehmen Lenderoth die offizielle Vorstellung einer revitalisierten Fassade statt. Einbauort der besagten Fassade war das Gebäude von Lenderoth selbst, ein deutschlandweit bisher einzigartiges Pionierprojekt für echte Kreislaufwirtschaft. Am Projekt mitgewirkt haben die Unternehmen Lenderoth, Wicona und Saint-Gobain Glass. Bei der Vorstellung waren geladene Gäste aus Architektur, Projektentwicklung, Politik und Fachpresse mit dabei.

In seinen einleitenden Worten unterstrich Moderator Martin Prösler (Proesler Kommunikation) die enorme Wichtigkeit einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft in der Baubranche. Diese sei vor dem Hintergrund von Ressourcenknappheit, der Notwendigkeit zur Einsparung von CO2 sowie zur Vermeidung von Abfall die einzige Zukunftsoption. Neues Denken und neue Wege seien erforderlich – weg von der linearen Produktion und hin zum zirkulären Bauen.

Kreislaufgedanke im Fokus

Zunächst stellte Christophe Lenderoth, Geschäftsführer der Lenderoth GmbH, das konkrete Revitalisierungsprojekt vor. Dabei ging es darum, die 1972 erstellte Pfosten-Riegel-Fassade des unternehmenseigenen Bürogebäudes zukunftsgerecht zu sanieren – denn diese konnte den aktuellen Anforderungen insbesondere hinsichtlich des Wärmeschutzes und der Energieeffizienz nicht mehr gerecht werden. Lenderoth: „Wir wollten mit gutem Beispiel vorangehen und nicht nur eine energieeffiziente Fassade aus Glas und Aluminium bauen, sondern auch Materialien verwenden, die besonders CO2-sparend hergestellt werden. Hier stand für uns der Kreislaufgedanke im Fokus.“

Vor diesem Hintergrund – so der Bauherr – sei das gemeinsame Projekt mit den langjährigen Partnern Wicona und Saint-Gobain Glass entstanden. Im Ergebnis konnten bei der Revitalisierung der rund 370 Quadratmeter großen Pfosten-Riegel-Fassade 24,6 Tonnen CO2 eingespart werden. Dies gelang durch die Verwendung von 100 Prozent recycelten Aluminium-Profilen und 64 Prozent recyceltem Glas.

„Können nur gemeinsam erfolgreich sein“

Auch Ralf Seufert, Vice President Commercial North Europe Hydro Building Systems, betonte den Pionier-Charakter des Projekts. „Wir stehen vor einer riesigen Renovierungswelle und müssen die verbauten Materialien recyceln. Und genau hier setzen wir an.“ Dabei unterstrich der Referent die Vorreiterrolle von Wicona beim kreislauffähigen Bauen.

Schon seit sechs Jahren habe das Unternehmen mit Hydro Circal ein Produkt im Markt, das zu mindestens 75 Prozent aus End-of-Life-Aluminium besteht. Mit Hydro Circal 100R ist nun auch noch eine Aluminiumlegierung aus 100 Prozent Recycling-Material erhältlich. Diese Legierung wurde auch bei der Fassade bei Lenderoth eingesetzt. „Dieser Innovationsgeist erfordert ein umfangreiches technologisches Know-how, insbesondere der Sortierungs- und Wiederaufbereitungsprozess ist High-Tech“, so Seufert.

Derzeit werden von Hydro 55.000 Tonnen Aluminium jährlich recycelt und in den Markt zurückgeführt. Mit der Errichtung weiterer Sortierwerke – unter anderem in Spanien und in England – erhöhe man die Kapazitäten weiter. Darüber hinaus habe man im Hydro Konzern alle Kompetenzen der Wertschöpfungskette in einer Hand.

Seuferts Appell ist klar: „Wir können nur gemeinsam mit starken Partnern wie Lenderoth und Saint-Gobain Glass erfolgreich sein und die Kreislaufwirtschaft Realität werden lassen. Daher suchen wir immer neue Mitstreiter, die mit uns voran gehen und den Markt verändern wollen.“

Fokus auf Ressourcenschonung und CO2-Einsparung

Im Anschluss beleuchtete Pascal Decker, CEO bei Saint-Gobain Glass Deutschland, das Projekt aus Sicht des Glasherstellers. Die CO2-Neutralität bis 2050 sei wesentliches Ziel der Unternehmensstrategie. Somit investiere man sehr viel in innovative und ressourcensparende Produkte sowie neue Technologien und lege großen Wert auf enge Partnerschaften im Markt. „Kreislaufwirtschaft kann nur gemeinsam funktionieren“, so Pascal Decker.

Da das Glas für mehr als einem Drittel des gebundenen CO2 in einer Fassade verantwortlich sei, liege hier noch enormes Optimierungspotenzial. Vor diesem Hintergrund hat Saint-Gobain Glass die bei Lenderoth eingesetzte Fassadenverglasung Oraé entwickelt. Dieses CO2-reduzierte Glas bietet durch die Kombination eines hohen Anteils an recyceltem Glas mit circa 64 Prozent Scherben und der Verwendung erneuerbarer Energien für die Herstellung einen besonders niedrigen CO2-Fußabdruck.

Mit Blick auf die Zukunft stellte Decker klar: „Wir müssen weiterhin den Fokus auf Ressourcenschonung und CO2-Einsparung legen und vor allem den Einsatz von Sand im Produktionsprozess reduzieren. Gebäude der Zukunft müssen so geplant und realisiert werden, dass sie zu einer echten Materialbank werden.“

Die politische Agenda zur Nachhaltigkeit

Einen Einblick aus erster Hand in die Arbeit und Strategie rund um das nachhaltige Bauen in der Bundesregierung gab Sarah Ryglewski, Staatsministerin für Bund-Länder-Beziehungen und nachhaltige Entwicklung beim Bundeskanzler. Nachhaltigkeit sei ein „Gewinnerthema“ mit gesellschaftlicher Relevanz und nicht zuletzt auch enorm wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland (Stichwort „Rohstoffverfügbarkeit“).

In diesem Zusammenhang stellte die Staatsministerin die „Allianz für Transformation“ vor; ein Diskussionsformat der Bunderegierung mit Wirtschaft, Sozialpartnern und Wissenschaft zur Gestaltung des sozial-ökologischen Wandels in Deutschland. Hier stünden Themen wie Kreislaufwirtschaft und Lebenszyklusbetrachtung sowie auch die CO2-Bepreisung und die Einführung von Rezyklat-Quoten auf der Agenda, derzeit bewege sich viel.

Gerade bei der Kreislaufwirtschaft gehe es aber nicht nur um die Frage des Recyclings, sondern um ein neues Geschäftsmodell mit wertvollen Rohstoffen. Ryglewski dazu: „Jeder Bauherr und Planer muss sich schon am Anfang darüber Gedanken machen, wie das Produkt am Ende im Wertstoffkreislauf verbleiben kann.“

Fassaden spenden Wohlfühlklima

Zum Abschluss stellte Prof. Klaus Peter Sedlbauer (Lehrstuhl Bauphysik an der TU München) in seinem Vortrag die Frage: Wie werden wir in Zukunft leben? Dabei ging er zunächst auf die verändernden klimatischen Bedingungen mit Starkregen sowie zunehmenden Hitzeperioden im Sommer ein. Diese müssten bei der Planung von Gebäuden noch konsequenter berücksichtigt werden. „Wir bauen Gebäude und insbesondere auch Fassaden nicht um Energie zu sparen, sondern um den Menschen ein Klima zu bieten, in dem sie sich wohlfühlen. Fassaden müssen entsprechend konzipiert werden, zum Beispiel hinsichtlich Akustik, Schallschutz, Licht beziehungsweise Beleuchtung und Innenraum-Luftqualität.“

Die Fassade als „urbane Oberfläche“ sei maßgeblich für das Bauen der Zukunft und müsse immer in Verbindung mit der Interaktion mit dem Menschen stehen. Als zentrale Stellschrauben im Sinne der Nachhaltigkeit gelte es, den Energiebedarf von Gebäuden zu senken (Herstellung, Nutzung, Ende) sowie die benötigte Energie günstig herzustellen und zu decken. Und zwar nicht nur im Neubau. Prof. Sedlbauer: „96 Prozent der Gebäude sind im Bestand – die Energiewende wird hier entschieden. Wir brauchen die Erhöhung der Sanierungsquote.“

Einsatz von Recycling-Materialien bedeutet CO2-Einsparung

Realisiert wurde die rund 370 Quadratmeter große neue Fassade mit einer anforderungsgerechten Wicona Pfosten-Riegel-Konstruktion vom Typ Wictec 50 – hergestellt aus der Aluminiumlegierung Hydro Circal 100R. Diese besteht zu 100 Prozent aus End-of-Life-Material und verfüge mit durchschnittlich 0,5 Kilogramm CO2 pro Kilogramm Aluminium über den im weltweiten Vergleich geringsten CO2-Fußabdruck.

Die Verglasung der neuen Fassade besteht aus Oraé von Saint-Gobain Glass. Das CO2-reduzierte Glas weist durch die Kombination eines hohen Anteils an recyceltem Glas mit rund 64 Prozent Scherben und der Verwendung erneuerbarer Energien für die Herstellung einen besonders niedrigen CO2-Fußabdruck von nur 6,64 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Quadratmeter auf (bei vier Millimetern Glasdicke).

Durch dieses zukunftsweisende Konzept konnte die Fassaden-Revitalisierung komplett aus Sekundär-Rohstoffen realisiert werden – was letztendlich eine Ersparnis von insgesamt 24,6 Tonnen CO2 bedeutete.

Auf den virtuellen Heimathafen von Lenderoth geht es hier entlang…

…zur Internetpräsenz von Wicona gelangen Sie über diesen Link…

…und um zur Homepage von Saint-Gobain Glass zu kommen, klicken Sie hier.

 

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